Arthrose

Osteoarthrose, oftmals auch nur als Arthrose bezeichnet, tritt bei Pferden sehr häufig auf und bezeichnet einen Krankheitsprozess, der mit einer Schädigung des Gelenkknorpels, dem Umbau der an der Gelenkbildung beteiligten Knochen und das Gelenk umgebenden (periartikulären) Gewebsveränderungen einhergeht.

Osteoarthrose

Oder: Was sind degenerative Gelenkerkrankungen?

In den meisten Fällen handelt es sich um eine degenerative (nicht reversible) Erkrankung infolge physiologischer Alterungsprozesse am Gelenk. Aber auch andere Ursachen können bei Pferden zu Arthrose führen. Starke Belastung, genetische und rassebedingte Prädisposition, Gelenkinstabilität, Gelenkknorpelschäden infolge von Traumata oder Infektionen können entzündliche Veränderungen in Gang setzen, die eine frühzeitige Entwicklung von Arthrose begünstigen. Erste Anzeichen hierfür zeigen sich zunächst an der oberflächlichen Gelenkknorpelschicht, die direkt auf den Knochen aufliegt, die ein Gelenk bilden. Durch entzündliche Prozesse können sich aus dieser Schicht Knorpelfragmente lösen und in die Gelenkschmiere (Synovia) freigesetzt werden. Diese bestehen u.a. aus Kollagen vom Typ II und werden vom Körper fälschlicherweise als fremd erkannt, besitzen also Antigencharakter. Das in der Gelenkkapsel vorhandene immunologisch aktive Gewebe reagiert auf diese vermeintlichen Antigene und setzt eine Reaktion in Gang, bei der Antikörper gebildet werden. Diese gegen die körpereigenen Knorpelbestandteile gerichteten Antikörper führen zu einer weiteren Schädigung des Knorpels, wodurch sich der Gelenkzustand verschlechtert. Man kann wahrhaftig von einem Teufelskreis sprechen, da diese Erkrankung „selbst-verschlechternd“ verläuft.

Wie geht man der (Ur)Sache auf den Grund?

Eine Untersuchung am stehenden Pferd kann erste Anzeichen von Osteoarthrose aufdecken. Der Tierarzt kann durch die rein visuelle Begutachtung der Gliedmaßen (Adspektion) sowie durch Abtasten der Strukturen am Gelenk (Palpation) erste Hinweise wie beispielsweise lokale Erwärmung, Schmerzempfindlichkeit oder eine Umfangsvermehrung des Gelenks erfassen. Derartige Umfangsvermehrungen können auf einen Anstieg an Synovialflüssigkeit zurückzuführen sein und sogenannte „Gallen“ verursachen oder infolge einer Verdickung der Gelenkkapsel auftreten. Bei der Untersuchung in Bewegung kann als klassisches Anzeichen einer Arthrose ein starkes Lahmen zu Beginn der Belastung und auf hartem Untergrund angesehen werden. Ein Verdacht auf Arthrose wird mit Hilfe bildgebender Untersuchungsverfahren bestätigt. Die definitive Diagnose wird in der Regel anhand von Röntgen- und Ultraschallaufnahmen gestellt, wobei teilweise auch auf MRT, CT oder Szintigrafie zurückgegriffen werden muss. Auf den Röntgenaufnahmen eines Pferdes mit Osteoarthrose sind besonders an den Gelenkrändern Knochenneubildungen (Osteophyten) zu sehen. Betroffene Gelenke können außerdem einen verringerten Gelenkspalt aufweisen. Im Spätstadium der Arthrose kommt es schließlich zu einer Remodellierung des subchondralen Knochens (Knochen unter dem Gelenkknorpel), die röntgenologisch mit einer Zu- oder Abnahme der Knochendichte einhergeht. Eine Ultraschalluntersuchung Anzeichen einer Gelenksentzündung wie Knorpelschäden, Verdickung (Hypertrophie) von Gelenkkapsel und Synovialmembran aufzeigen.

Komplementäre Behandlung – alle müssen an einem Strang ziehen

Nachdem die Diagnose gestellt wurde, erfolgt eine multimodale Behandlung, als deren Eckpfeiler sich aus medikamentöser Schmerztherapie, Physiotherapie bzw. einem maßgeschneiderten Bewegungsprogramm sowie Metaphylaxe zur Vorbeugung weiterer Verschlechterung zusammensetzt.

Die Verwendung von sogenannten nichtsteroidalen Entzündungshemmern ist Bestandteil der Schmerzbehandlung insbesondere im akuten Stadium einer Arthrose bzw. Arthritis. Sie reduzieren das Entzündungsgeschehen im und um das Gelenk und nehmen dem Pferd zudem den Entzündungsschmerz. Weiterhin besteht die Möglichkeit der intraartikulären Injektion von Kortikosteroiden (Cortison) für die mittel-langfristige Entzündungshemmung und/oder Hyaluronsäure für die Regeneration der Gelenkknorpelschicht. Diese Injektionen sollten sparsam eingesetzt werden, damit ihre nutzenbringende Wirkung erhalten bleibt. Da im Verlauf der Arthrose häufig ein Knochenumbau beobachtet wird, kann der Einsatz von Bisphosphonaten angezeigt sein, deren Wirkung in der Hemmung knochenabbauender Zellen besteht, wodurch chronische Umbauprozesse im Knochen mitunter verlangsamt oder gar aufgehalten werden können. Seit einigen Jahren stehen neue Begleittherapien zur Verfügung, wie beispielsweise die IRAP-Therapie (autologes Serum, das die Entzündungskaskade blockiert). Die aus dem Serum des Pferdes gewonnenen und in Kultur angereicherten lokalen Entzündungshemmer werden direkt ins Gelenk injiziert, um gezielt den Entzündungsprozess zu unterbinden. Ein zentraler Forschungsschwerpunkt neuer Behandlungsmethoden für Arthrose stellt die Stammzelltherapie dar.

Auch das Training sollte den alters- und rassespezifischen Besonderheiten des Pferdes angepasst werden. Es sollte ein regelmäßiges und kontinuierliches Bewegungsprogramm erarbeitet werden, bei dem gelenkbelastende Übungen wie enge Wendungen, abrupte Gangartwechsel oder Überlastung vermieden werden sollten. Oftmals können auch gezielte physiotherapeutische Übungen zur Dehnung wichtiger Muskelpartien beitragen, damit durch eine etwaige Entlastungshaltung keine zusätzlichen Belastungsschäden an gesunden Gelenken der gegenüberliegenden Gliedmaße entstehen. Lange Ruhephasen sind nach Möglichkeit zu vermeiden. Ein sorgfältiges Aufwärmen ist ebenso wichtig, wie das ausgiebige Abreiten nach der Arbeit. Für das Arbeiten mit dem Pferd sollte bevorzugt ein Boden gewählt werden, der nicht zu weich und nicht zu hart ist (z. B. Sandplatz mit hartem Sand, Wiese).

Weiterhin sind das fachgerechte Ausschneiden der Hufe sowie ein guter Beschlag fundamental, wobei Hufschmied und Tierarzt hier Hand in Hand zusammenarbeiten sollten, um zu überzeugenden Ergebnissen zu kommen. Mit einem Spezialbeschlag kann die Biodynamik der Gelenke dahingehend verändert werden, dass diese eine den Gegebenheiten entsprechende Entlastung beispielsweise dahingehend erfahren, dass das Abrollen über die Hufspitze erleichtert und die Gelenkbelastung bei Bewegung dadurch reduziert wird.

Metaphylaktisch können Substanzen zugefüttert werden, welche den Gelenkstoffwechsel unterstützen. Die bekanntesten Inhaltsstoffe solcher Produkte sind Hyaluronsäure, denaturiertes Kollagen, Glukosamin und Proteoglykane, welche vorrangig dabei helfen sollen, die Gelenksstrukturen mit zusätzlichem Baumaterial zu versorgen. Weiterhin sind MSM, Omega-3-Fettsäuren und Mangan für ihre protektiven sowie entzündungsregulierenden Eigenschaften bekannt. Ein relativ neuer Ansatz steckt hinter der Substanz natives Typ-II-Kollagen. Da dieses Proteinmolekül aufgrund seiner Oberflächenstruktur quasi identisch zu jenem in der Gelenkknorpelschicht vorkommenden Kollagen ist, beginnt das im Darm lokalisierte lymphatische Gewebe diese Substanz in einer Art Lernprozess (orale Toleranzbildung) als ungefährlich einzustufen. Diese Information wird in einem Zellgenerationenwechsel ebenfalls an die Lymphozyten weitergegeben, die u. a. auch in dem von Arthritis geplagten Gelenk lokalisiert sind. In der Folge kommt es zu einer Runterregulierung des Entzündungsgeschehens, wodurch mitunter weitere Gelenkschäden verhindert werden können.

Je nachdem, wie weit die Arthrose eines Pferdes fortgeschritten ist, kann ein individueller Mix dieser Maßnahmen das Wohlbefinden des Pferdes in Bezug auf den Bewegungsapparat verbessern, seine sportliche Karriere verlängern oder dem Pferd einen besseren Lebenskomfort für den „Ruhestand“ bieten.

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