Atmung

Erkrankungen der Atemwege sind ein häufiges Problem in der Pferdehaltung. Von der Früherkennung und der richtigen Beurteilung zu Beginn oft harmlos erscheinender Störungen sowie von einer rechtzeitig eingeleiteten und konsequent durchgeführten Therapie mit Begleitmaßnahmen hängt die Nutzungs- und damit auch die Lebensdauer eines Pferdes ab.

Viele Pferde jeden Alters können von Atemwegserkrankungen betroffen sein. Gesunde, ausgeglichene und nach Empfehlungen der StIKo Vet korrekt geimpfte Pferde besitzen eine ausreichende lokale und humorale Immunität und lokale Mechanismen, um ein Eindringen und Vermehren schädlicher Viren und Bakterien in die Atemwege zu verhindern. Jedoch können Stress, Haltungsfehler, minderwertige Futterqualität, schädliche äußere Umweltreize oder Überanstrengung dazu führen, dass das Immunsystem weniger leistungsfähig ist und dieser Umstand Atemwegsprobleme nach sich ziehen kann.

Ein weiterer Grund für gehäuftes Auftreten von Atemwegsproblematiken wird in dem Rückgang der Vielfalt an für das Bronchialsystem wichtigen Kräutern auf intensiv genutzten Pferdeweiden gesehen. Kräuter können in einem ausgewogenen Verhältnis der Steigerung der natürlichen Abwehrkräfte dienen.

Bei der Abwehr von Reiz- oder Schadstoffen und viralen oder bakteriellen Infektionserregern spielen die Schleimproduktion der Epithelien der Atemwege und der Abtransport des Schleims eine erhebliche Rolle. Bei abwehrgeschwächten Tieren kann übermäßig Schleim produziert und zu wenig abgehustet werden. In diesem Milieu entstehen optimale Bedingungen für eine Vermehrung von Primär- oder Sekundärerregern. Neben der Kausaltherapie können hier Naturprodukte, wie Kräuter, eingesetzt werden, die die allgemeine Abwehrfunktion und den natürlichen Säuberungsmechanismus der Atemwege unterstützen.

Equines Asthma – Die häufigste Ursache von Atemwegserkrankungen

Unter dem Begriff „equines Asthma“ werden einerseits die meist mild verlaufenden entzündlichen Atemwegserkrankungen (inflammatory airway disease, IAD) sowie die chronischen Verlaufsformen der Atemwegsobstruktion (recurrent airway obstruction, RAO) zusammengefasst.

Als Auslöser einer IAD spielen oft mehrere Faktoren eine Rolle. Neben Staub, Kälte und trockener Luft wird auch ein schädlicher Einfluss von Umweltschadstoffen diskutiert. Steigender Pestizideinsatz auf Feldern und Weiden, ungenügend belüftete Ställe, wenig Weidegang, staubige Einstreu und trockenes Heu – all das stellt in der Summe eine enorme tägliche Herausforderung für den gesamten Atmungsapparat des Pferdes dar.

Besonders Staub ist als Dauernoxe schädlich für die Atemwege des Pferdes. Staubteilchen haben unterschiedliche Größen. Lungengängige Partikel (kleiner als 5 Mikrometer im Durchmesser) können bis in die tiefsten Teile der Lunge, bis in die Bronchiolen und Alveolen eingeatmet werden. Diese kleinen Partikel lösen eine Schutzreaktion der Lunge aus. Bei manchen Pferden ist diese Reaktion verstärkt und induziert eine erhöhte Schleimsekretion, eine Verdickung der Schleimhäute (die dünne Zellschicht, die die Innenwände der Atemwege und der Lunge überzieht) und eine Bronchokonstriktion (reflexartige Kontraktion der die Atemwege umgebenden glatten Muskulatur).

Die Diagnose stellt der Tierarzt mit Hilfe einer tracheobronchialen Endoskopie (auch Bronchoskopie genannt), wobei eine vermehrte Schleimbildung erfasst sowie eine Probe des Schleims zur zytologischen Untersuchung entnommen werden kann. Zudem liefern klinische Krankheitserscheinungen wie verminderte Leistungsbereitschaft, Husten, Nasenausfluss oder leichte Atemgeräusche wertvolle Hinweise auf eine bestehende IAD [Couëtil LL, Cardwell JM, Gerber V, Lavoie JP, Léguillette R, Richard EA (2016): Inflammatory Airway Disease of Horses – Revised Consensus Statement. Journal of Veterinary Internal Medicine 30: 503–515].

Die RAO stellt eine chronische Atemwegserkrankung dar, deren Ursache häufig auf einer Allergie basiert. Der chronische Verlauf ist meist nicht sofort erkennbar, da das Leitsymptom Husten, intervallartig auftritt und oftmals gar nicht bemerkt wird [Hotchkiss, J. W. et al. (2007): A survey of horse owners in Great Britain regarding horses in their care. Part 2: Risk factors for recurrent airway obstruction.Equine Veterinary Journal 39.4: 301-308; Robinson, N. E. et al. (1996): The pathogenesis of chronic obstructivepulmonary disease of horses. British Veterinary Journal, 152(3), 283-306].

Die medikamentöse Behandlung bei beiden Erkrankungen zielt in erster Linie auf eine Reduktion der Entzündung und der Bronchokonstriktion ab. Dazu werden steroidale Entzündungshemmer (Corticosteroide) und Bronchodilatoren eingesetzt. Zusätzlich können schleimverdünnende und schleimlösende Medikamente gegeben werden. Diese Produkte können durch Injektion, oral oder durch Inhalation verabreicht werden. Durch die letzte Methode gelangt das Produkt direkt in die Atemwege. Das hat den Vorteil, dass geringere Arzneimittelmengen erforderlich sind und die Exposition des Körpers gegenüber dem Arzneimittel verringert wird (keine oder weniger Nebenwirkungen). Es ist ein für Pferde geeigneter Vernebler erforderlich. Als Ergänzung zur klassischen Behandlung können einige andere Produkte, auf Basis von Kräutern oder ätherischen Ölen, angewendet werden, um die Wirkung zu erhöhen und/oder das Rückfallrisiko zu senken.

Der wichtigste Part sowohl während der Behandlung als auch danach stellt jedoch das Haltungs- und Fütterungsmanagement dar. An erster Stelle steht hier die Staubreduktion in der näheren Umgebung des Pferdes, ausreichend frische Luft in einer staubarmen Umgebung sowie der Zugang zu qualitativ einwandfreiem Futter.

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